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Titel: 
DER ORDEN ALS AUSZEICHNUNG IN DER BUNDESREPUBLIK
DER ORDEN ALS AUSZEICHNUNG IN DER BUNDESREPUBLIK






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Deutsch-deutsche Teilung, Zuwahl eines Mitgliedes aus der DDR

Kurt Mothes (1900–1983) studierte Botanik, Chemie und Pharmakologie an der Universität Leipzig. Nach seiner Habilitation an der Universität Halle wechselte er 1935 auf den Botanik-Lehrstuhl der Universität Königsberg, den er bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst innehatte. Nach sowjetischer Kriegsgefangenschaft konnte er 1949 seine wissenschaftliche Tätigkeit wiederaufnehmen. Von 1957 bis 1967 wirkte er als Ordinarius für Botanik an der Universität Halle, wo er ein Akademie-Institut für Biochemie der Pflanzen aufbaute.

Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Forscher auf diesem Fachgebiet. Auch als Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (1954–1974) erwarb er sich große internationale Anerkennung, zumal er bemüht war, sich durch das Regime der DDR nicht politisch vereinnahmen zu lassen.

Diese unangefochtene Reputation Mothes‘ stellte der Ordenskanzler Percy Ernst Schramm in das Zentrum seiner Begründung für die Wahl des Botanikers zum Ordensritter. Die späte Wahl Mothes‘ in den Orden begründete er mit dem langjährigen Fehlen freier Stellen in der naturwissenschaftlichen Sektion des Ordens.

Der nun folgende Briefwechsel zwischen Schramm und Mothes ist von besonderer gegenseitiger fachlicher und menschlicher Wertschätzung geprägt. Umso größer ist das Bedauern des Gewählten, die Ordensmitgliedschaft nicht annehmen zu dürfen.

Das durch die DDR-Führung ausgesprochene Verbot deutet Mothes am Ende seines Schreibens vom 12. Juli 1968 an: „Fragen Sie mich bitte nicht nach den besonderen Gründen, die mich zu diesem vielleicht unbegreifbaren Schritt veranlaßt haben.“ Sowohl Mothes als auch Schramm rechneten von Beginn an mit dieser Entscheidung des DDR-Regimes, zumal Mothes ausdrücklich als „inländisches Mitglied“ gewählt worden war.

Seinen Brief vom 7. Juni schließt Mothes mit den Worten „Ich habe das geistige Deutschland auch in den schwersten Zeiten immer als mein Vaterland empfunden und bin ihm dienend verpflichtet. Dieses Deutschland der Menschenwürde sehe ich in Ihrer Gemeinschaft [dem Orden] verkörpert. Sie wird für mich eine ernste Verpflichtung sein, was auch kommen werde.“

Schramm betont in seinem Schreiben vom 19. Juni, daß 1966 bzw. 1967 ein „Jugoslawe“ bzw. ein „Ungar“ (die Byzantinisten Georg Ostrogorsky, Belgrad, und Gyula Moravcsik, Budapest) als Ordensritter gewählt worden seien, denen die Mitgliedschaft genehmigt wurde.

Für den Fall, daß dieses Mothes nicht möglich sein werde, kündigte der Ordenskanzler an, daß Mothes trotzdem in die Mitgliederliste des Ordens eingetragen werde, mit dem Vermerk „die Zuwahl noch nicht in Kraft getreten, da die erforderliche Genehmigung noch aussteht“.

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