Alfred Weber

Soziologe

Geboren am 30. Juli 1868 in Erfurt
Gestorben am 2. Mai 1958 in Heidelberg

Alfred Weber begann, wie sein älterer Bruder Max, als Jurist, ging dann zur Nationalökonomie über, um am Ende als Soziologe, Kulturphilosoph, Zeitkritiker zu wirken. Sein erstes Werk: "Über den Standort der Industrien", war ein streng ökonomisches, wohl auch für den praktischen Unternehmer brauchbares. 1904 erhielt er einen Ruf nach Prag. Obwohl er sich hier wohl fühlte, folgte er 1907 einem Ruf nach Heidelberg. Dies blieb nun seine Stadt, unterbrochen durch den ersten Weltkrieg, in dem er freiwillig als Offizier diente, und die zwölf Jahre des Dritten Reiches, die ihm völliges Schweigen auferlegten. Er ließ sich alsbald emeritieren. Ein einziges Buch konnte er wohl publizieren. Es erschien in den Niederlanden unter dem Titel "Kulturgeschichte als Kultursoziologie", wurde aber kaum bemerkt. Als seine Stimme wieder ertönen durfte, war er siebenundsiebzig Jahre alt, doch eröffnete er alsbald wieder sein Seminar, in dem er seinen Schülern dauernde und gewichtige Anregungen vermittelte. Sein Blick für die Gegenwart und damit die Zukunft war überaus hell. Schon im Sommer 1917 wußte er, daß der Krieg verloren war. Seine Vorschläge liefen im wesentlichen hinaus auf den Umbau der Monarchie in eine parlamentarische Demokratie nach englischem Muster und mit einer der zahlreichen beliebten deutschen Dynastien an der Spitze. Starken Eindruck machte gleich 1946 sein erstes Nachkriegswerk: "Abschied von der bisherigen Geschichte". Darin vertrat er die Auffassung, daß es zwar weiter "Geschichte" geben werde, diese aber auf andere Interessen als sterile Machtkämpfe zwischen den Staaten, nämlich auf Probleme wie Überbevölkerung und Zerstörung der Natur bezogen sei.

Aufnahme in den Orden 1954.