Carl J. Burckhardt

Historiker

Geboren am 10. September 1891 in Basel, Schweiz
Gestorben am 4. März 1974 in Genf, Schweiz

Carl Jacob Burckhardt stammte aus einer alten Basler Patrizierfamilie, derselben, der man auch den gewaltigen Kulturhistoriker Jacob Burckhardt verdankte. Mit 27 Jahren wurde er 1918 als Attaché an die Schweizer Gesandtschaft in Wien versetzt. Er erlebte in dieser Stadt die Zuckungen der Revolution und die Auswirkungen von Hungersnot. Er lernte hier zugleich die Fürstin Metternich kennen, eine Repräsentantin einer vergangenen Zeit, sowie den Dichter Hugo von Hofmannsthal, mit dem ihn bald eine nahe Freundschaft verband. Als Herausgeber veröffentlichte er später seinen Briefwechsel mit Hofmannsthal. Es folgte eine zehnjährige Periode als Professor der Geschichte in Zürich und Genf, in die die ersten beiden Bände seines großen Werkes über den Kardinal Richelieu fallen. Was das historische Werk unterbrach, war die harte Gegenwart: Burckhardts Stellung als Kommissar des Völkerbundes in der Freien Stadt Danzig, mit dem vergeblichen Versuch, Hitler von seinem Feldzug gegen Polen abzuhalten. Er übernahm dann das Amt des Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und setzte sich mit manchem Erfolg im Kleinen wie im Großen nachdrücklich für die Opfer des Krieges in aller Welt ein. So wurde Burckhardt nach dem Krieg zum Ehrenbürger Lübecks ernannt, auch erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Nach weiteren vier Jahren als schweizerischer Gesandter in Paris durfte er sein tätiges Lebenswerk für abgeschlossen halten und zog sich in das hoch in den Reben über dem Genfer See gelegene Schloß seiner Frau zurück. Dort schrieb er Erinnerungen der verschiedensten Art, aus der Jugend wie aus der Politik, und auch eigentliche Erzählungen.

Aufnahme in den Orden 1954.