Ernst Buschor

Archäologe

Geboren am 2. Juni 1886 in Hürben (Schwaben)
Gestorben am 11. Dezember 1961 in München

Ernst Buschor ist eine herausragende Gestalt unter den bedeutenden Archäologen des 20. Jahrhunderts. Einem religiös bestimmten Elternhaus entstammend, besuchte er die Schule in Nürnberg und wurde während seines Universitätsstudiums Schüler des Archäologen Adolf Furtwängler. Als noch nicht Dreißigjähriger schrieb er 1912 die erste, grundlegende Geschichte der griechischen Vasenmalerei. Mit dreiunddreißig Jahren erhielt er den ersten Ruf nach Erlangen, mit fünfunddreißig wurde er Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, mit fünfundvierzig Professor in München, wo er die bedeutendste archäologische Schule des Jahrhunderts begründete. Andere mögen ihm an methodischer Erkenntnis gleichgekommen sein, aber keiner hat so viele Anregungen gegeben, so viele nach allen Richtungen strebende Schüler herangebildet, so viel Zustimmung und so viel Widerspruch hervorgerufen wie er. Er hat die Bedeutung der frühgriechischen Kunst vor allen sichtbar gemacht, den strengen Stil in seiner Schönheit an den Skulpturen von Olympia beschrieben, in Phidias den Schöpfer des Klassischen gefeiert und die Zeit zwischen Alexander und Augustus in vierhundert Bildnissen vor Augen gestellt. In der Spätantike erkannte er einen Geist, dessen formende Qualität er bewunderte und treffend analysiert hat. Bei Grabungen in Olympia und Samos hat er einzigartige Werke antiker Kunst und ihren historischen Horizont entdeckt. Auf der Akropolis von Athen rekonstruierte er die nach dem Persersturm vergrabenen archaischen Heiligtümer aus ihren Trümmern. Seine Sprache wurde vorbildlich für eine ganze Generation. Alle hunderteinunddreißig erhaltenen griechischen Tragödien hat er ins Deutsche übertragen.

Aufnahme in den Orden 1959.