Gerhard Ritter

Historiker

Geboren am 6. April 1888 in Bad Sooden
Gestorben am 1. Juli 1967 in Freiburg (Breisgau)

Schüler Hermann Onckens, jedoch keiner "Schule" ernsthaft zuzurechnen, wurde Ritter 1924 Professor in Hamburg und 1925 in Freiburg, dessen Universität er bis zu seinem Lebensende die Treue hielt. Er zählt zu dem Gelehrtentyp, dem unablenkbare Arbeitsenergie, brennender Fleiß und unstillbarer Durst nach neuen Erkenntnissen zu eigen sind. Er erschloß neue Quellen, wie z. B. bei den Studien zur Spätscholastik, führte kritische Einzeluntersuchungen durch, wie z.B. zum "Schlieffenplan", und behandelte mit großer Darstellungskunst größere Zeiträume und Problemkreise, wie z. B. in seinen Biographien Luthers oder Friedrichs des Großen. Für die Forschungsrichtung seiner zweiten Lebenshälfte wurde entscheidend seine Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Daraus resultieren Werke wie die Goerdeler-Biographie, "Dämonie der Macht", "Politische Ethik" und vor allem die 4 Bände "Staatskunst und Kriegshandwerk".

Nach Ritters Auffassung hat der Historiker als verantwortlicher Interpret der Geschichte mitzuwirken am politischen Selbstverständnis der Nation. Sie ließ ihn zu einem eminent politischen Historiker werden, ohne daß er bei seinem Verständnis von Geschichte als Bildungsmacht die Berechtigung anderer Fragestellungen verkannt hätte. Als Herausgeber des "Archivs für Reformationsgeschichte" und zweier geschichtlicher Unterrichtswerke sowie durch mehr als 30 Jahre Lehrtätigkeit war er von großem Einfluß auf die heranwachsende Generation der Historiker in Schule und Universität. So sichert ein wissenschaftliches Lebenswerk, das sich durch Fülle, Intensität und Spannweite auszeichnet, Gerhard Ritter wie wenigen einen Ehrenplatz in der Geschichte der Geschichtswissenschaft.

Aufnahme in den Orden 1957.