Gerhard von Rad

Theologe

Geboren am 21. Oktober 1901 in Nürnberg
Gestorben am 31. Oktober 1971 in Heidelberg

Das Forschungs- und Lehrgebiet Gerhard von Rads war das Alte Testament, und das bedeutet zugleich: der ganze Nahe Osten in seiner Geschichte und Kultur. Seine akademische Karriere begann er als Schüler von Albrecht Alt in Leipzig. Über Jena und Göttingen kam er dann nach Heidelberg. In ihm vereinigten sich moderne Wissenschaftsgesinnung, feste Bindung an die christliche Kirche und eine ungewöhnliche künstlerische Sensibilität. So setzte er im Grunde die Lebensleistung von Rudolf Bultmann (1969) auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaften fort und erschloß die Form- und Traditionsgeschichte des Alten Testaments. Seine gesammelten Studien zum Alten Testament liegen in vielen Bänden vor. Noch eindrucksvoller war die weite Ausstrahlung dieses theologischen Lehrers auf die junge Generation, gerade auch auf solche Studierenden, die die sprachlichen Voraussetzungen zu einem Fachstudium der alttestamentlichen Theologie gar nicht besaßen. Wenn in der neutestamentlichen Exegese bei Rudolf Bultmann die theologische Bedeutung des Alten Testaments fast auf den Schöpfungsgedanken als solchen herabgemindert war, stellte sich das Alte Testament durch die Exegese von Rads in seinem ganzen mythischen Reichtum und zugleich als eine Vorbereitung christlicher Frömmigkeit und christlicher Sittenlehre dar. Die poetische Kraft des Alten Testaments wurde über die Entmythologisierung des Neuen Testaments mehr und mehr Herr und förderte das natürliche Gleichgewicht zwischen den biblischen Schriften der Christenheit. Seine Wahl in den Orden lag nahe. Er war es auch, der die späte Zuwahl seines neutestamentlichen Vorbildes, Rudolf Bultmann, besonders begrüßte.

Aufnahme in den Orden 1963.