Gilbert Murray

Gräzist

Geboren am 2. Januar 1866 in Sydney, Australien
Gestorben am 20. Mai 1957 in Oxford, Großbritannien

Als Kind von Australien nach England gekommen, studierte er hier klassische Philologie, wurde dann Fellow am New College, war von 1889 bis 1899 Professor des Griechischen an der Universität Glasgow und von 1908 bis 1936 Regius Professor des Griechischen in Oxford.

Als leidenschaftlicher Anwalt der Völkerverständigung war er von 1923 bis 1938 Präsident der League of Nations Union und nach dem zweiten Weltkrieg Mitgründer der United Nations Association. Eigen war ihm eine natürliche, ungezwungene Vereinigung von Philologie und Humanismus, von Wissenschaft und Politik. Ausgehend von der englischen romantisch-klassischen Tradition der Altphilologie, hat er ein unmittelbareres, lebendigeres, wahreres, realistischeres Verhältnis zu den Griechen gesucht. Das Griechentum, das er zeigen wollte, ist ein unendlich ringendes, leidendes, darbendes, wagendes, "in Treue hingegeben dem, wovon es empfand, daß es groß sei".

Weite Anerkennung hat er gefunden als Forscher auf dem Gebiet des griechischen Epos und der griechischen Tragödie (deren Ursprung er in primitiven Riten suchte), als Editor antiker Texte (insbesondere der Werke des Aischylos und des Euripides) und vor allem als feinsinniger Übersetzer griechischer Tragödien und Komödien. Als Englands größter Gräzist humanistischer Prägung erfreute er sich auch über die Grenzen seines Landes hinaus tiefster Verehrung.

Aufnahme in den Orden 1955.