Luigi Einaudi

Finanzwissenschaftler

Geboren am 24. März 1874 in Carrù (Piemont), Italien
Gestorben am 30. Oktober 1961 in Rom, Italien

Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er 1893 in Turin, wurde dort 1899 Privatdozent, 1902 Extraordinarius und 1907 Ordinarius für Finanzwissenschaft und Finanzrecht.

Er entwickelte sich in einer mehr als vier Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit zu einem Gelehrten mit einem Gesamtwerk von einem erstaunlichen Umfang, das ihn zum Mitglied der berühmtesten italienischen und ausländischen Akademien werden ließ, sowie zu einem Hochschullehrer, der Generationen von Studenten zur Kunst des konsequenten Denkens und zum Streben nach wissenschaftlicher Wahrheit erzogen hat. Er hat es auch mit sprachlicher Einfachheit und gedanklicher Klarheit als Journalist verstanden, einer breiteren Öffentlichkeit Probleme des Finanzwesens, der Wirtschaft und Politik nahezubringen, bis ihm der Faschismus diese Form der politischen Bildungsarbeit schon 1926 unmöglich machte. Dennoch konnte er als Leiter der wissenschaftlichen Zeitung "La Riforma Sociale" von 1903 bis 1935 maßgeblichen Einfluß auf die Sozialpolitik Italiens ausüben. 1944 emigrierte er vor faschistischer Gewalt in die Schweiz, wurde 1945, nach Italien zurückgerufen, Präsident der Banca d'Italia, 1947 Vizepräsident des Ministerrats und Währungsminister. Nachdem ihm die Stabilisierung der italienischen Währung und des Staatshaushalts gelungen war, wurde er von 1948 bis 1955 italienischer Staatspräsident.

Er war eine Persönlichkeit, der in gleicher Weise hohe Begabung für Theorie wie Praxis, für Wissenschaft wie für Politik und Journalismus eigen war, die auf all diesen Feldern Ungewöhnliches geleistet hat und dabei ein stiller, bescheidener Mensch geblieben ist.

Aufnahme in den Orden 1956.