Marino Marini

Bildhauer und Graphiker

Geboren am 27. Februar 1901 in Pistoia, Italien
Gestorben am 6. August 1980 in Viareggio, Italien

Studierte Plastik und Malerei an der Akademie Florenz, lehrte von 1929 bis 1940 an der Kunstschule Villa Reale in Monza und wurde dann Professor an der Brera in Mailand.

Marini gestaltete im wesentlichen spannungsgeladene Menschen- und Tierfiguren, meist aus Holz oder Bronze, Figuren, deren Oberfläche durch scheinbar zufällige Unregelmäßigkeiten und selbst Farbe belebt sind. In zahllosen Abwandlungen hat er die geängstigte Kreatur seines Zeitalters dargestellt, vor allem im Thema Reiter, das ihm zum Vorwand für einen apokalyptischen Totentanz wurde. Den Strömungen der Zeit zeigte er sich offen, ohne sich von ihnen unterwerfen zu lassen. Die Forderung an eine Figur war für ihn nicht das Stehen, sondern das Volumen, das A und O der Bildhauerei. Begegnete ihm ein Pferd aus Fleisch und Blut, so schaute er nicht hin, denn es hätte ihn von seiner Hauptsache, dem abstrakten Volumen, abhalten können. Ging er den Bewegungen des Pferdes nach, so reduzierte er die Beine gleichsam zu vier Tischbeinen. Diese Gewaltsamkeit konnte er sich leisten, denn er erzielte damit eine ungeheure Ausdruckskraft. Daß er dabei das Detail verlor, störte ihn nicht. So unternahm er einen Alleingang, ohne sich umzuschauen. Ein beträchtliches Wagnis für einen Spätgeborenen, der die Kulturen von fünf Jahrtausenden mit sich zu schleppen hat. Seine Robustheit ließ ihn dies ertragen.

So ist Marini als eine der stärksten bildhauerischen Kräfte unserer Jahrhundertmitte anzusehen, bei der die Wurzeln ihrer Begabung möglicherweise bis auf die Etrusker zurückreichen, auf die er sich als Träger einer Kultur des Ursprünglichen bezog.

Aufnahme in den Orden 1968.