Richard Kuhn

Chemiker und Biochemiker

Geboren am 3. Dezember 1900 in Wien, Österreich
Gestorben am 31. Juli 1967 in Heidelberg

Richard Kuhns Vater war als Wasserbauingenieur Hofrat geworden, seine Mutter war Volksschullehrerin. Aus dem Elternhaus stammen die musischen Interessen, die Kuhn sein Leben lang pflegte. Kuhn war ein früh Vollendeter: Im Alter von 22 Jahren wurde er von R. Willstätter (1924) in München promoviert. Mit 26 erhielt er eine ordentliche Professur an der ETH in Zürich, und mit 29 wurde er Direktor am Institut für Medizinische Forschung der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft in Heidelberg, dem er treu blieb. Kuhns wissenschaftliches Werk, das in etwa 700 Originalmitteilungen niedergelegt ist, spannt einen gewaltigen Bogen von biologischmedizinischen bis zu theoretisch-chemischen Fragestellungen. Von den bis zur Habilitation bearbeiteten zuckerspaltenden Enzymen führte ihn der Weg zu synthetisch hergestellten asymmetrischen Verbindungen, den Atropisomeren, und später zu den Kumulenen. Probleme parallel synthetisch-chemisch und mit biologischen Versuchen anzugehen, war charakteristisch für Kuhns Arbeitsweise. Das galt für seine Forschung über Polyene, Carotinoide und Vitamin A, über B-Vitamine, Mechanismen der "Antivitamin"-Wirkung und die komplexen Kohlenhydrate der Zellmembranen. Obwohl die Wissenschaft immer im Zentrum seiner Interessen stand, hat er sich organisatorischen Aufgaben nicht verschlossen. Der Max-Planck-Gesellschaft hat er lange als Vizepräsident gedient. Er war Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher Akademien und Vereinigungen. Nur zwei seiner Auszeichnungen seien erwähnt: der Nobelpreis für Chemie 1938 und der Goethepreis der Stadt Frankfurt 1942.

Aufnahme in den Orden 1958.
Vizekanzler des Ordens von 1964 bis 1967.