Rudolf Bultmann

Theologe

Geboren am 20. August 1884 in Wiefelstede (Oldenburg)
Gestorben am 30. Juli 1976 in Marburg

In der Theologie der historischen Schule aufgewachsen und später vor allem in Marburg die führende Figur der Fakultät, war er ebensosehr ein bedeutender Neutestamentier wie ein überzeugter Lutheraner und ein großer Philologe. In allen diesen Richtungen gab es viele Reibungen zwischen ihm und den jeweiligen evangelischen Landeskirchen. Gewiß gaben seine norddeutsche Nüchternheit, sein kritischer Scharfsinn und sein schwäbischer Einschlag mit einer Freude an Provokation dazu Anlaß genug, der Oldenburger Pastorensohn war fast zu eigenwillig. Seine Größe bestand in der Redlichkeit, mit der er sein wissenschaftliches Gewissen und seine feste Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche zu vereinigen wußte. Unter dem Stichwort der "Entmythologisierung" suchte er eine Vermittlung zwischen Tradition und Gegenwart, die zum Kampfruf wurde. Damit stand er der dialektischen Theologie von Karl Barth und Gogarten nahe, und auf der anderen Seite dem Radikalismus Heideggers und dessen Kritik am philosophischen Idealismus. In der Hitler-Zeit bewies er unbeugsame Festigkeit und Klugheit im Kirchenkampf. Als Lehrer vieler Generationen ist er in seiner Schulwirkung bis heute weithin präsent. Seine späte Zuwahl in den Orden unterstrich die Unanfechtbarkeit des Ranges dieses großen Unbequemen.

Aufnahme in den Orden 1969.