Sarvepalli Radhakrishnan

Religionsphilosoph

Geboren am 5. September 1888 in Tiruttani, Indien
Gestorben am 16. April 1975 in Madras, Indien

Mitglied des Ordens Pour le mérite wurde er schon bald nach dessen Wiederbelebung. Damals bereits war er eine führende Figur des politischen öffentlichen Lebens: als Vizepräsident und Präsident der Republik Indien, als Delegierter in der UNESCO oder als Botschafter in Moskau. Von 1936 bis 1952 hatte der Brahmane in Oxford, später an vielen indischen Universitäten gelehrt. Er war Philosoph. In Indien ist jeder Philosoph Religionsphilosoph. Der geistigen Verwandtschaft nach gehörte er zu den Vätern der neuen indischen Republik und stand Rabindranath Tagore und Mahatma Gandhi nahe, auf die der gewaltlose Verlauf der indischen Herauslösung aus dem englischen Kolonialreich zurückgeht. Er war seiner wissenschaftlichen Gesinnung nach der liberalen Geschichtsforschung verbunden und obendrein ein großer Verehrer der deutschen idealistischen Philosophie. Es war gewiß nicht ganz leicht, dies alles in einer Person zu vereinigen. Er bewies eine ungewöhnliche Gabe zur Vermittlung, sowohl zwischen Indien und Europa wie auch zwischen dem indischen Traditionsbewußtsein und der modernen Republik. In Deutschland fand er nach dem zweiten Weltkrieg wegen seines Bekenntnisses zur Gewaltlosigkeit hohe Anerkennung, wie man nach dem Mißbrauch von Gewalt, den sich Nazideutschland hatte zuschulden kommen lassen, verstehen kann. So erhielt er die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt 1959 und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1961.

Aufnahme in den Orden 1954.