Werner Jaeger

Klassischer Philologe

Geboren am 30. Juli 1888 in Lobberich (Niederrhein)
Gestorben am 19. Oktober 1961 in Boston (Massachusetts), USA

Als Schüler des Kempener Thomas-Gymnasiums wuchs er in eine lebendige Einheit von antik-humanistischer und christlicher Tradition hinein. In seinen Studien an den Universitäten Marburg und Berlin (1906-1911) legte er Grund für seine spätere Konzeption der klassischen Altertumswissenschaft als philologisch fundierter Geistesgeschichte. Das Kriegsende mit der immer spürbarer werdenden Erschütterung des alten Überlieferungsbestandes veranlaßte den nach glänzender Promotion zum Professor in Basel (1914), dann Kiel (1915) und schließlich Berlin (1921) aufgestiegenen jungen Gelehrten, die europäische Tradition von ihrem Ursprung in der griechisch-römischen, christlichen Antike her neu zu begreifen.

Nach einem grundlegenden Werk über Aristoteles und zahlreichen Einzeluntersuchungen folgte in den Jahren 1933-1944 das dreibändige Hauptwerk "Paidaia - Die Formung des griechischen Menschen". Hierin unternahm er es, im Prinzip des Erzieherischen das innere Bildungsgesetz des griechischen Geistes nachzuweisen und darin den Gedanken einer politisch-ethischen Jugenderziehung zu verankern.

1936 zwangen ihn die Verhältnisse, in die USA zu gehen, wo er zunächst in Chicago, dann an der Harvard-University als Leiter eines eigens für ihn begründeten Instituts eine bleibende Heimstätte fand. Dort trieb er die längst geplanten Editionen der Metaphysik des Aristoteles und des Kirchenvaters Gregor von Nyssa voran. Als Kulturdenker und Humanist erlangte er Weltruhm.

Aufnahme in den Orden 1955.