Wolfgang Schadewaldt

Klassischer Philologe

Geboren am 15. März 1900 in Berlin
Gestorben am 10. November 1974 in Tübingen

Aus einer alten Berliner Familie stammend, war er ein glänzender Fortsetzer der berühmten Berliner Schule der Altertumswissenschaften. Er war Schüler von Wilamowitz (1908) und vor allem von Werner Jaeger (1955). Sein akademischer Weg führte ihn mit 28 Jahren bereits auf ein Ordinariat nach Königsberg und dann über Freiburg nach Leipzig und Berlin sowie schließlich nach Tübingen. Überall entfaltete er als Lehrer und Anreger eine große Wirksamkeit. Es war vor allem seine Phantasie, die ihn als Forscher und Lehrer auszeichnete und ihn neue Fragen und Gesichtspunkte finden ließ, die die großen Gestalten der griechischen Literatur in neuem Lichte zeigten. So verdanken wir ihm zu Thukydides und Pindar, zu Homer und seinem Jahrhundert und zu der griechischen Stadtkultur und ihren politischen Energien wichtige originelle Ideen. Sie bereicherten den neuen Humanismus, der nach dem Ende des deutschen Kaiserreichs eine demokratische Staatsgesinnung zu fördern suchte.

Sein starkes künstlerisches Temperament führte ihn zu der deutschen Dichtung und insbesondere zu der Welt des Theaters, des griechischen wie des zeitgenössischen, auch Richard Wagners. Sein scharf zupackender Realismus machte ihn überdies zu einem bedeutenden Übersetzer, der Homer und die griechische Tragödie ohne falsche Modernisierungen kraftvoll zum Sprechen brachte. Zu seinen großen Verdiensten als Anreger gehörten auch die Tübinger Plato-Schule sowie das große Unternehmen des Goethe-Wörterbuchs, das den Formenreichtum der deutschen Sprache erstmals kodifiziert und das sich zu einem wahren Thesaurus zu entwickeln verspricht.

Aufnahme in den Orden 1962.